iTunes-Schrott
Neulich mußte ich mir einen neuen MP3-Player zulegen, da der alte seinen Geist aufgegeben hatte. Einige Tasten waren ausgenudelt und reagierten nicht mehr, ebenso war die Kapazität des internen Akkus auf dem direkten Weg ins Nirvana. Nun gut, ab in den Elektronik-Markt einer gewissen Kette und erstmal das Angebot gesichtet. Alle möglichen Größen, Farben, Kapazitäten und Spielereien, aber was macht man, wenn man einfach nur unterwegs ein wenig Musik hören will, ohne dass man ein Diktiergerät, ein Navigationsgerät, ein Radio oder was auch immer braucht? Schön, man könnte sich ein MP3-Handy zulegen, allerdings mag ich diese Dinger auf Grund ihres meist grottigen Sounds nicht. Auch sehe ich nicht ein, warum ich dauernd den Handy-Akku leersaugen soll, um ein wenig Beschallung zu haben.
Die iPod nanos sehen zwar nicht schlecht aus, allerdings haben Farbdisplays einen hohen Stromverbrauch und der Preis des 8 GB-Modells kann mich auch nicht so recht überzeugen. Zumal ich eine News-Meldung im Hinterkopf habe, wonach die Displays irgendwann mal entweder schnell zerkratzten oder gar komplett den Geist aufgaben. Für knapp 250 Euro besorgt man sich lieber eine fette externe Festplatte mit 500 GB, die man dann an jedem Wiedergabegerät mit USB-Anschluß anschließen kann. Die Wahl fällt schließlich auf den iPod Shuffle mit 1 GB Speicher - schön klein, mit eingebautem Akku, ohne überflüssiges Display als Stromfresser und man muss nicht vorab großartig Gebrauchsanleitungen wälzen. Von der restlichen Kohle habe ich dann noch meine CD-Sammlung ein wenig aufgestockt und da wußte ich, was ich vergessen hatte: meinen Discman, den ich sonst immer mitnehme, wenn ich CDs kaufen gehe. Dann kann man gleich schonmal in seine “Beute” reinhören.
Die Verbindung des iPod mit dem PC ist schnell hergestellt, der Akku lädt - soweit ist alles unkompliziert. Aber wie bekomme ich die MP3-Dateien auf das Ding? Nachgeschaut, Antwort: iTunes - argh! Ich hatte diese grottige Software schonmal vor längerer Zeit getestet und sie hatte mich in keinster Weise überzeugt. Erst scannt iTunes alle Laufwerke nach Musikdateien ab und sortiert sie dann nach Genre, Künstler und Album. Diese Sortierung ist allerdings komplett für den Arsch, denn iTunes interessiert meine Ordnerstrukturen nicht, in denen ich meine gerippten CDs organisiert habe. Nein, das Programm orientiert sich für die Sortierung offenbar an den ID3-Tags der Dateien. So landen dann schon einmal heruntergeladene Snippets oder Dateien mit niedriger Qualität im gleichen Album wie die gerippten Versionen - schöne Scheisse! Das Handling der Playlisten von iTunes will mir im Vergleich zum Windows Media Player nicht gefallen, auch wenn iTunes angibt “intelligente” Playlisten erzeugen zu können. Wahrscheinlich besteht diese “Intelligenz” darin, die Benutzer so oft wie möglich auf den iTunes Store zu locken. Sorry, aber ich kaufe immer noch CDs, bevor ich für MP3-Dateien auch nur einen Cent bezahle. Besonders albern wird es dann, wenn man die Dateien vom PC auf den iPod transferieren will. Dazu muss man die einzelnen Tracks markieren und an die Playliste schicken, unter deren Namen der iPod in iTunes verfügbar ist, ich hab das Ding einfach als “Shuffle” angemeldet. Nun könnte man ja denken, dass man sich einfach seine Playlist generiert und dann alles in einem Rutsch auf den Player kopiert. Pustekuchen! Jedes Mal, wenn man Tracks zur Playlist des iPod schickt, werden direkt die Daten übertragen - überflüssige Schreibvorgänge. Ganz davon abgesehen, dass iTunes offenbar etwas gegen das Album Between Two Worlds von I hat. Denn beim Aktualisieren der Dateien meldete mir iTunes, dass er ein paar der Tracks nicht finden könne, obwohl kein Ordner und keine Datei verschoben oder umbenannt wurde.
Kurzum, der iPod shuffle ist als Player ganz brauchbar und da die technischen Neuerungen der MP3-Player sich generell immer wieder geradezu überschlagen, braucht man auch nicht unbedingt mehr auszugeben als die knapp 80 Euro für diesen Player. In 1-2 Jahren landet der wahrscheinlich eh in der Tonne, nämlich wenn der Akku platt ist. Wer es noch günstiger will, der bekommt ab 30 Euro Player mit 512 bis 1024 MB von Philips und Maxfield, ansonsten wird derzeit für 50 Euro auch der alte iPod shuffle mit 512 MB Speicher angeboten.
Eindeutiger Minuspunkt ist hingegen die Software iTunes. Ich benutze seit jeher den Windows Media Player oder WinAmp, habe da alle meine Playlisten vorliegen und auch das Plugin für last.fm installiert. Da brauche ich weder intelligente Playlisten, noch soll iTunes mir die Musik auf den iPod packen, die ich ohnehin sonst auch am Rechner am häufigsten höre - Abwechslung ist das Stichwort. Da ich im Monat für ca. 120-200 Euro Musik auf CD und DVD kaufe, habe ich auch kein Interesse daran, mein Geld für banale MP3-Dateien im iTunes Store zu lassen. Es wäre daher praktisch, wenn man bei Apple mal endlich eine alternative Möglichkeit zum Befüllen der iPods anbieten würde, beispielsweise eine Erweiterung für andere Player wie den Windows Media Player oder aber eine Integration ins Kontext-Menü oder Senden an-Menü. Oder dass man iTunes zumindest verklickern könnte, dass die Alben in den Ordnern liegen und Snippets und anderer Mist, der im Musikordner herumliegt, nichts mit selbigen zu tun hat.
Fazit: Hardware gut und funktional, während die Software iTunes eine Plage ist.

